Infos und Neuigkeiten zu Yoga, Meditation, Ayurveda und Spiritualität. Artikel von Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya
Und dann können wir auch Gelassenheit lernen. Wir werden immer noch einem tyrannischen Chef lernen, wie man damit umgeht und notfalls muss man Betriebsrat, notfalls den Chef des Chefs, notfalls die Firma kündigen, notfalls sagen, „Ich verbitte mir diesen Ton.“, das kann auch Geschick im Handeln sein. Und irgendjemand hat mir mal gesagt, die Beziehung zum Chef wurde um hundertachtzig Grad gedreht, wo sie gesagt hat, „Wenn Sie sich beruhigt haben, sprechen wir wieder.“ Nicht immer funktioniert das, aber eine Teilnehmerin eines Seminars hat mir gesagt, das war die Entscheidung. „Wenn Sie sich beruhigt haben, dann reden wir wieder.“ und sie hat sich dort umgedreht und ist zurück an ihren Arbeitsplatz und der verärgerte Chef sprachlos, das ist ihm noch nie vorgekommen. Das klappt nicht immer, aber kann manchmal klappen. Aber das eben auch dann nicht mit Hass, sondern auch mit einem Einverständnis. Und damit sind wir eigentlich zum Abschluss dieses Workshops gekommen, ich glaube auch, von der Zeit her, wie ich gerade hier sehe. Gelassenheit hat einiges zu tun mit Annehmen. Es hat damit zu tun, wenn wir jetzt vom Raja Yoga kommen, sich selbst anzunehmen, wie wir jetzt sind, letztlich humorvoll und gelassen. Es hat damit zu tun, einen Standpunkt einzunehmen, der über dem Alltag ist. Es hat damit zu tun, dass wir andere Menschen annehmen können. Und es hat damit zu tun, dass wir lernen können, mit uns und mit Situationen umzugehen. Und es hat auch viel damit zu tun, dass wir davon ausgehen, sei es als Arbeitshypothese, sei es als Überzeugung, sei es als Glaubenssystem, wie auch immer, dass alles, was auf einen zukommt, irgendwo hilfreich ist in der persönlichen und spirituellen Entwicklung. Gelassenheit heißt aber auch - vielleicht das noch als Ergänzung - Annehmen seines eigenen Charakters und seiner Persönlichkeit. Der ein oder andere unter euch mag ein zyklothymes Temperament haben. Also nicht zyklothyme Persönlichkeitsstörung, gibt es auch, sondern zyklothymes Temperament, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Also, großen Enthusiasmus und nachher tiefe Depression. Gut, wenn es krank ist, dann ist es natürlich nicht so gut. Aber jetzt die Vorstellung, dass ihr euch jetzt zur Aufgabe macht, „Ich will immer gelassen sein, ich will weder in diese Euphorie fallen, noch in diese grenzenlosen Abgründe.“, wäre unangemessen und ich muss euch auch sagen, ihr würdet auch keinen Erfolg haben. Ihr erkauft euch die schönen Gefühle mit der Verlassenheit und abgrundtiefen Traurigkeit, die danach kommen. Man kann aber lernen, in der abgrundtiefen Traurigkeit nicht abgrundtief traurig zu sein, eben zu wissen, es geht vorbei und vielleicht, mit ein paar Yogaübungen, zu lernen, dass dieses abgrundtiefe Verlassenheitsgefühl einfach nur eine leichte Zurückgezogenheit ist und eine Stimmungseintrübung wird und mit Yogaübungen man wieder Energie hat und dabei wieder raus kommt. Versteht ihr, was ich meine? Man hat diese Höhen. Und vielleicht auch lernt, „Ich bin jetzt euphorisch, aber ich weiß, es wird auch nicht andauern. Ich genieße es jetzt, solange es dauert, denn erfahrungsgemäß hört das auch wieder auf.“ Also, man nimmt sein Temperament an.