Infos und Neuigkeiten zu Yoga, Meditation, Ayurveda und Spiritualität. Artikel von Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya
Ich will jetzt auf Raja Yoga eingehen. Manche von euch kennen den Ausdruck „Maharaja“. Die Maharaja waren so die indischen Fürsten oder Könige. Eigentlich würde man so mehr sagen, wie die Herzöge oder die Grafen. Ich glaube hier, das gehört zu der Grafschaft Bayreuth oder Herzogtum? Marktgrafschaft Bayreuth. Und so war auch Indien eigentlich zersplittert in alle möglichen kleineren Fürstentümer. Bad Meinberg hat zu Lippe gehört, war vermutlich dann ein bisschen kleiner noch, aber so ähnlich auch in Indien. Aber das sind die Maharajas. Aber Raja heißt Herrscher, Fürst, wird oft übersetzt als König, und Raja Yoga wird oft übersetzt als der königliche Yoga. Aber nicht deshalb, weil der besser ist als andere, oder auch nicht deshalb, weil er elitär ist – nur für eine ganz ausgewählte Gruppe von Menschen, mit Raja Yoga können alle Menschen etwas anfangen auch - sondern Raja Yoga hat das Konzept, dass wir Herrscher über unser Leben werden und Herrscher letztlich über unseren eigenen Geist. Das darf man sich jetzt aber auch nicht so vorstellen – manchmal wird es so verstanden und ich behaupte, missverstanden – dass Raja Yoga heißen würde, dass wir jeden Moment unseren Geist vollständig unter Kontrolle hätten. Und jeden Moment, das hieße letztlich, willkürlich bestimmen zu können, welcher Gemütszustand jetzt gerade da ist und wann immer wir wollen, einfach mit einem Willensakt oder einer Geheimtechnik jeden anderen Gemütszustand vermeiden. Zwar gehört es auch dazu, dass man durchaus eine Kontrolle über den Geist dann hat, das auch, und beim Swami Vishnu konnte ich das durchaus erleben, dass er durchaus umschalten konnte. Dennoch, Leben ist Kreativität, Leben heißt, auf verschiedene Situationen verschieden zu reagieren und das machen auch die ganz großen Meister, die haben auch verschiedenste geistige Fähigkeiten, die sich spontan manifestieren. Was heißt das also, Raja Yoga? Wenn wir das Bild, das in dem Ausdruck „Raja“ steckt, nehmen, dann heißt ja Raja Herrscher und ein Herrscher hat dann verschiedene Untertanen. Oder ein moderneres Beispiel, angenommen, ihr seid ein Teamleiter, ihr seid eine Führungspersönlichkeit, dann habt ihr verschiedene Teammitglieder und jetzt als Führungspersönlichkeit oder auch als Herrscher gilt es, jeden, der da ist, wertzuschätzen, anzuerkennen, was er kann, schauen, welches Ziel das Ganze hat und wie man die Fähigkeiten der einzelnen gut einsetzen kann und wie man auch dem einzelnen helfen kann, ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Das wäre letztlich, wie eine Führungspersönlichkeit umgeht. Und genauso auch ein Herrscher über ein ganzes Land, der hat dann sehr viele Untertanen. Das heißt aber, das Ideal eines indischen Königs war nicht der totalitäre Staat, wo jeder überwacht wird, dass er möglichst nichts Falsches denkt, nicht Falsches sagt, sondern es ist dann mehr, dass er etwas tut für alle und dass das Staatswesen gut zusammen funktioniert. So ist unser menschlicher Geist auch ein solcher Staat. Aber jetzt kommt noch was dazu. In unserem Geist sind alle möglichen tollen und weniger tollen Fähigkeiten und Möglichkeiten drin und verschiedenste Eigenschaften und Emotionen und Handlungsneigungen und Reaktionsschemata, angeborene Reflexe, gelernte Reflexe und Instinkte und irgendwo verformte Instinkte, irgendwelche Dinge, die früher mal sinnvoll waren und heute nicht sinnvoll waren, das sind alles die Mitglieder unseres Staatswesens und unseres Teams.