Infos und Neuigkeiten zu Yoga, Meditation, Ayurveda und Spiritualität. Artikel von Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya
Wir können es im beschränkten Maße sehen oder wir können auch da als Arbeitshypothese davon ausgehen, wir sagen, „Was auch immer geschieht, irgendwo ist es dazu da, dass es in meiner Entwicklung hilfreich ist.“ Ich will euch vor einem warnen, nämlich immer gleich verstehen zu wollen, wofür es gut ist. Das ist dann nämlich oft ein Unterfangen, das nicht weiter hilft. „Warum geschieht mir das?“ Wobei der westliche Mensch - nicht nur der westliche - wenn er fragt, „Warum geschieht mir das?“, das „Warum“ ist so mehr gefragt, „Was habe ich falsch gemacht? Ich war doch so ein guter Mensch. Warum passiert das ausgerechnet mir?“ So ein bisschen hängt das zusammen auch wieder mit einer anderen, unreflektierten Weltanschauung, die die meisten westlichen Menschen haben. Die ist, „Wenn ich mich einigermaßen vernünftig und klug verhalte und vielleicht davon Abstand halte, zu vielen Menschen zu bösartig zu begegnen, dann wird mir schon nichts Schlechtes passieren.“ Das ist für viele Menschen so die Vorstellung. Nur, wenn wir das Leben anschauen, Katastrophen passieren und sie passieren nicht nur den Bösen. Im Gegenteil, sie scheinen manchmal gerade den Guten zu geschehen. Und ich bin sicher, auch euch sind schon Schicksalsschläge passiert, wo ihr euch vielleicht gefragt habt, „Warum mir?“ und „Warum ich?“ Und wenn ihr vielleicht bisher das Karma so hattet, dass euch größere Schicksalsschläge erspart worden sind, kennt ihr Menschen, die eigentlich ein grundsätzlich ethisches, gutes Leben geführt haben - gut, ein Heiliger ist kaum jemand, aber doch grundsätzlich - und denen dann übelst mitgespielt wurde. Angefangen von Kindern. Natürlich, man könnte jetzt noch zurückgehen und sagen, „Gut, dann habe ich halt in einem früheren Leben was Schlechtes getan.“ Und diese Vorstellung ist z.B. in Indien so durchaus verbreitet, aber das Interessante ist, das ist jetzt nicht die yogische Vorstellung von Karma. Dagegen wendet sich schon Krishna in der Bhagavad Gita. Dagegen wendet sich Patanjali im Yoga Sutra. Die, die die Schriften nicht kennen, die sind schon mindestens 2000 Jahre alt. Nach klassischer indischer Chronologie, Bhagavad Gita sogar 5000 Jahre alt. Also, ist schon sehr lange. Man sollte jetzt Schicksal nicht einfach nur zurückführen auf Schuld. Es gibt dort auch so ein interessantes Zwiegespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern. Da gibt es irgendwie ein Kind, das von Kindheit an krank ist. Und dann fragen die Jünger den Jesus, „Warum leidet dieses Kind? Hat es selbst gesündigt oder haben seine Eltern gesündigt?“ Gut, da kann man jetzt überlegen, wie kann ein Kind bis dahin gesündigt haben? Könnte es vielleicht sein, dass die Jünger doch von früheren Leben ausgegangen sind? Diese Frage, so stellen, oder die Eltern gesündigt. Und dann ist die Antwort von Jesus interessant. Ich weiß nicht, ob du die kennst? Er sagte, „Damit die Herrlichkeit Gottes offenbar werde.“ Also, das Kind hat nichts Falsches gemacht. Es hat weder in diesem Leben, noch im vorigen Leben, noch die Eltern was Schlimmes gemacht, um jetzt zu verdienen, so zu leiden, sondern irgendwo war dieses Leiden für das Kind hilfreich, um dort zu wachsen.