Infos und Neuigkeiten zu Yoga, Meditation, Ayurveda und Spiritualität. Artikel von Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya
Man weiß, „Ich habe jetzt die und die Ansicht, wäre doch mal schön, mal zu gucken, wie sieht der andere Mensch das.“ Ich weiß nicht, wie oft ihr so was schon mal probiert habt, euch in einen anderen hineinzuversetzen oder zu gucken. Ich nehme an, viele von euch leben mit einem Partner. Ihr könnt ja mal überlegen, „Wie würde das mein Partner sehen?“ Manche von euch haben einen Chef. Könnt ihr mal überlegen, „Wie sieht das jetzt mein Chef?“ Nicht, dass seine Ansicht so viel wichtiger ist, aber das ist auch mal ein interessanter Standpunkt. Oder ihr habt Kollegen, wie sieht das der Kollege? Und irgendwo zu erkennen, wir leben alle in diesen relativen Wirklichkeitskonstrukten und das steckt in diesem Maya dahinter. Unter anderem, es steckt noch sehr viel mehr dahinter, aber ich will es ja jetzt irgendwo einfach machen, dass es für das Thema irgendwo passt. Jetzt kommt der nächste Ausdruck, der ist „Dukha“ und Dukha heißt Leiden. Und dort widerspricht Yoga – mindestens das Jnana Yoga – mancher modernen unreflektierten Weltphilosophie und Lebensanschauung. Auf eine gewisse Weise, die moderne Lebensanschauung hat ja viel Positives, sie ist oft aber unreflektiert und die besagt mehr oder weniger, das Ziel des Lebens ist, glücklich zu sein. Gerade vor kurzem habe ich noch mal in einer Hörsendung gehört, in einer Allensbach-Umfrage, sagen fünfundsechzig Prozent der Menschen, „Das Ziel meines Lebens ist, glücklich zu sein. Wichtig ist, dass ich glücklich bin.“ Und eine zweite Sache, „Und wie werde ich glücklich?“, „Ich werde glücklich, wenn ich tun kann, was ich will. Und wenn ich meine Bedürfnisse kennen lerne und meine Wünsche erfülle, dann bin ich glücklich.“ Manche mögen das meinen. Ich will jetzt nicht behaupten, „Ich aber sage euch, was das einzig Richtige darüber ist.“ Wie ihr wisst, ich habe tatsächlich genügend Selbsthumor, um zu sehen, man kann das auf unterschiedliche Weise sehen. Die Jnana Yogis sagen, solange wir in Maya gefangen sind und solange wir nicht Brahman wahrnehmen, sind wir in Dukha. Wir sind nicht deshalb im Leiden, wenn wir im Leiden sind, weil irgendjemand böse zu uns ist, wir sind nicht deshalb im Leiden, weil wir etwas verloren haben, wir sind nicht deshalb im Leiden, weil irgendwo wir nicht genügend Geld haben und die Konjunktur nicht gut ist und gerade ein Drittel des Vermögens im Aktienmarkt oder alle Lehmann-Zertifikate, die mir irgendein Bankmensch als Hundertprozent sicher aufgeschwatzt hat, heute nichts mehr wert sind. Und ich bin auch nicht deshalb unglücklich, weil mein Chef nicht freundlich zu mir ist oder weil meine Frau nicht mehr so freundlich ist oder weil meine Kinder nicht ausreichend lernen für die Schule oder weil die Lehrer mit meinem doch so lieben Sohn nicht ausreichend einfühlsam umgehen, sondern, ich bin deshalb im Leiden, weil ich in der Maya bin und weil ich die Maya irgendwo zu ernst nehme und weil ich nicht die höhere Wirklichkeit erkannt habe.