Infos und Neuigkeiten zu Yoga, Meditation, Ayurveda und Spiritualität. Artikel von Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya
Und Yoga will uns auch helfen, verschiedene Aspekte in uns harmonisch zu verbinden. Es will helfen, verschiedene Aspekte des Lebens miteinander zu verbinden. Es will uns helfen, uns verbunden zu fühlen mit anderen Menschen, mit der Natur. Und damit ist Yoga auch eben Harmonie. Und schließlich, in der höchsten Bedeutung, heißt Yoga Einheit und beinhaltet die tiefe Erfahrung der Einheit hinter allem.
Yoga kann man auch noch unterteilen in verschiedene Yogawege und ich will diesen Workshop so aufbauen, auf den verschiedenen Aspekten des Yoga und was die einzelnen Aspekte und Wege des Yoga uns vielleicht an Ratschlägen geben können, wie wir zu dieser Gelassenheit kommen können.
Vielleicht auch noch vorher, wenn wir von „Gelassenheit“ sprechen, da meinen wir natürlich keine träge Gelassenheit. Ich glaube, dessen seid ihr euch sehr bewusst. Im Yoga spricht man auch von so genannter sattviger, rajasiger und tamasiger Gelassenheit. Ich nehme jetzt an, die meisten von euch kennen diese Ausdrücke nicht. Du kennst sie. Aber es gibt so eine träge, tamasige Gelassenheit, das hieße die Wurstigkeit, „Ist mir eh alles egal.“ Das wäre jetzt keine Gelassenheit, das ist eher eine Trägheit, vielleicht auch eine Frustration oder auch irgendwo, dass man sich aufgegeben hat und sein Leben. Das ist damit natürlich nicht gemeint, sondern es ist so mehr gemeint, eine sattvige Gelassenheit – sattvig heißt helle Gelassenheit. Es heißt letztlich, die Fähigkeit, einen Standpunkt einzunehmen, der hilft, eine Ruhe zu bekommen, um sich dann wieder ins Getümmel zu stürzen oder das Getümmel anzunehmen, das sowohl in einem selbst herrscht, wie auch im Äußeren herrscht. Also auch, was ich euch jetzt nicht empfehlen will, ist, zu einer stoischen Gelassenheit zu kommen. Ich weiß nicht, ob ihr den Ausdruck kennt. Die Stoiker waren so eine griechische Philosophierichtung, die im Wesentlichen gewollt hat, dass man keine besonderen Gemütsregungen kennt, dass man also grundsätzlich immer ein emotionales Gleichgewicht bewahrt. Dazu will ich euch auch nicht anleiten. Wenn allerdings jemand von euch von Natur aus ein solch stoisches Temperament hat, dann ist das natürlich auch o.k., aber mein Ansatz, den ich hier weitergeben will, ist eher, dass man mit seinem Temperament und vielleicht auch mit seinen inneren Höhen und Tiefen lernt, gelassen umzugehen. Und da werde ich vor allem, wenn ich auf einen der Yogawege eingehe, den so genannten Raja-Yoga-Weg, der psychologische Yogaweg oder auch der königliche Yogaweg, da werde ich dort besonders darauf eingehen. Also, es ist nicht das Ziel des klassischen Yoga, dass wir praktisch unsere Temperamentunterschiede abrasieren und dann als wandelnde Statue durch die Welt gehen und dann gelassen sind, sondern es ist im Gegenteil, dass wir lernen, inmitten von allem Temperament, das wir haben, und inmitten von allem Engagement, das wir vielleicht haben und vielleicht auch inmitten von manchmal leidenschaftlichem Engagement, das wir hoffentlich ab und zu mal haben, dass wir inmitten von all dem immer wieder von einer gelassenen Warte aus das Leben anschauen können.