Infos und Neuigkeiten zu Yoga, Meditation, Ayurveda und Spiritualität. Artikel von Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya
Das Leben endet mit dem Tod. So kann man sagen, dass das ganze Leben eine Vorbereitung auf den Tod ist. Wenn man sein Leben so lebt, dass man bereit ist, jeden Tag zu sterben, und jeder Tag auch seinen Wert haben wird, wenn man noch 50 oder 100 Jahre lebt, dann lebt man sein Leben gut.
Der Tod kann unvermutet kommen. Wir wissen nicht, ob wir das Ende des heutigen Tages auf der Erde erleben. Diese Bewusstheit hilft immer wieder, alles in die rechte Perspektive zu rücken.
Dennoch gilt: Normalerweise wissen viele Menschen mindestens ein paar Tage vorher, dass sie sterben werden. In früheren Zeiten war das noch üblicher. In manchen alten Romane und Mythen liest man Beschreibungen, wie der Patriarch oder die Mutter ein paar Tage vor dem Tod noch mal die ganze Familie zusammen gerufen haben, ihre letzten Ratschläge geben, das Erbe aufteilen. Dann wird der Priester gerufen, der zusammen mit dem Sterbenden betet, ihm vielleicht die letzte Ölung erteilt. Alte Indianer haben den Stamm verlassen, um in der Natur zu meditieren und dort den Körper zu verlassen.
Heute sterben ja viele Menschen im Krankenhaus, wo das Leben manchmal künstlich verlängert wird und dann durch Abschalten der Maschinen aufhört. Dennoch wissen auch heute viele Menschen, dass sie bald sterben werden. In vielen Fällen wissen sie um eine unheilbare Krankheit, wo ihr Arzt die voraussichtliche Lebensdauer sagt. Manchmal kommt das Gefühl von innen. Altenpfleger kennen das: Viele alte Menschen kündigen einen oder mehrere Tage vorher an, dass sie bald gehen werden.
Wer wegen einer unheilbaren Krankheit weiß oder spürt, dass er bald gehen wird, kann folgende Ratschläge befolgen:
Der Sterbende sollte seine Angelegenheiten so regeln, dass er sie weitergeben kann. Wenn möglich, sollte er für das, was ihm am Herzen liegt, Nachfolger finden. Er sollte seinen Nachlass so regeln, dass er von seinen Hinterbliebenen als gerecht empfunden wird und klar genug, dass keine Rechtsstreitigkeiten entstehen können. Der größte Gefallen, den man seinen Hinterbliebenen tun kann, ist entweder wenig zu vererben , oder die Erbschaft so zu gestalten, dass sie als gerecht empfunden wird. Auch seinen geistigen Nachlass sollte man regeln. Man sollte mit engeren Verwandten und Freunden sprechen, Aufgaben vergeben. Wenn man das Gefühl hat, wichtiges Wissen zu haben, sollte man das anderen erzählen, es aufschreiben, es aufnehmen auf Kassette, Tonband, mp3 Aufnahmegerät oder Video-Kamera. Falls es Menschen gibt, mit denen man sich vorher nicht so gut verstanden hat, sollte man nochmals versuchen, sich zu versöhnen. Gegenüber einem Sterbenden sind fast alle Menschen zur Versöhnung bereit. Seinen Kindern sollte man sagen, dass man stolz auf sie ist, und dass sie alles richtig gemacht haben.
Wenn möglich, sollte man seine Lebensgeschichte seinen wichtigsten Angehörigen oder Freunden erzählen, oder sie aufschreiben, und so mit sich ins Reine kommen.
Manches vom oben Genannten ist vielleicht nicht vollständig möglich. Vielleicht ist man gesundheitlich, von der Energie her oder von der geistigen Kraft her nicht in der Lage dazu, oder die anderen sind nicht bereit dazu. Dann sollte man es so gut wie möglich tun, und dann Gott überlassen und anvertrauen. „Lieber Gott, ich habe alles nach bestem Wissen und Gewissen geregelt. Einiges konnte ich nicht regeln. Einige Menschen sind mir weiter böse. Einige brauchen weiterhin meine Hilfe, die ich ihnen nicht mehr geben kann. Lieber Gott, ich vertraue alles dir an. Ich gebe alles in deine Hände. Dein Wille geschehe“.
Der Sinn von all dem ist, dass man ohne Bedauern diese Welt verlassen kann, dass man im Moment des Todes nicht an Dinge dieser Welt denkt, sich Sorgen um seine Hinterbliebenen macht, oder nach dem Tod versucht nachzuholen, was nicht mehr nachzuholen ist.
So kann man innerlich „Lebewohl“ sagen voller Dankbarkeit und im Bewusstsein, dass man seine irdische Aufgabe für dieses Leben erfüllt hat, und dass jetzt neue Aufgaben auf einen warten.
Auf einer anderen Ebene ist das Folgende noch wichtiger:
Man sollte vor seinem Tod die spirituelle Praxis verstärken. Man sollte so viel Zeit wie möglich in Meditation, geistigen Yoga Übungen und Gebet verbringen. Wenn möglich, sollte man in Heiligen Schriften lesen, darüber meditieren, über den Tod lesen und die Aufgaben, die zusammen mit dem Tod kommen. Wenn möglich, wäre es gut, mit jemand anderem über spirituelle Fragen und die spirituellen Zweifel zu sprechen. In den meisten Weltreligionen ist es üblich, dass vor dem Tod der Priester/Pfarrer mit dem Sterbenden spricht, mit ihm betet, ein Ritual wie die letzte Ölung vollzieht.
Wenn sich der Mensch so von allem Irdischen gelöst hat und seinen Geist verbunden hat mit dem Göttlichen, kann der Tod eine wunderbare Erfahrung sein.
Auszug aus dem unveröffentlichten Buch "Karma und Reinkarnation" von Sukadev Bretz